Die Brücke
es war ein freitag, an dem ich eine (v)erleuchtung bekam, meinen rucksack mit mineralwasser, proviant, messer, taschentüchern, stift und papier und einem edelstahl-zigarettenetui mit exakt einer zigarette darin packte und aus dem, zuvor noch schnell aufgeräumten, haus ging.
ich hatte ein ziel vor den augen, über den weg dorthin war ich mir aber noch nicht ganz im klaren.
als erstes begab ich mich in den nahe gelegenen "meinen"wald in dem ich eine, landkartentechnisch gesehen, zick-zack wanderung vornahm, die mir einen weg von ca. 12 km bescherrt hat, für eine luftlinie von ca. 7.
kurz bevor ich den wald verließ, entdeckte ich eine grillhütte, die ich zuvor noch nie gesehen hatte.
und das in meinem wald!
dort habe ich kurz pausiert und mit dem messer meinen namen und das datum eingeritzt, um sie damit für die zukunft in eine pilgerstätte für fans und bewunderer zu verwandeln.
leider konnte ich mein geschnitzel an dem balken selbst kaum lesen.
raus aus dem wald, in einen vorort gewandert, quer durch straßen, die ich seit eh und je kenne, setzte ich meine wanderung fort und mußte mich sehr wundern, daß viele ecken zu fuß, sehr anders aussehen, als beim vorbeifahren.
hässliche kinder, hässliche häuser und an jeder ecke eine sparkasse; der traum eines jeden spiesser.
ich hatte mittlerweile ca. 20 km hinter mir und war an einem punkt, an dem ich keine pause mehr machen konnte, denn das geht in einer stadt nicht wirklich.
vorbei an grässlichen gegenden, schönen villen, netten vierteln und vielen menschen und erinnerungen, zog ich immer weiter richtung osten, obwohl ich schon ein wenig das gefühl hatte, daß meine kräfte nachlassen.
endlich in den auen angekommen, habe ich mich auf eine parkbank gesetzt um ein toast mit gouda mit mineralwasser einzunehmen, was man sich vielleicht leckerer vorstellen kann, als es war, denn es war november und ca. 2° C, das toast sehr kalt und wasser dazu sehr unpassend.
der wind war sehr stark und kalt, ich setzte meine wanderung also nach nur 4 bissen fort.
ich erreichte in der dunkelheit, temporär, mein ziel: die brücke über dem großen, tiefen fluß und habe mich sehr an den lichtern in den bergen und der umgebung erfreut, ging aber unermüdet weiter, denn ich war noch sehr weit von meinem kopfziel entfernt, trotz zurückliegender 33 km.
über die brücke, durch den park, vorbei an meiner alten wohnung, geradeaus, ca. 2 km zum getränkemarkt, wo ich eine flasche wein kaufte.
liot weißwein 02.
von da aus habe ich mich auf den weg zurück zur brücke gemacht und es wurde mir zum ersten mal richtig klar, daß ich starke schmerzen hatte.
zu einem in den füßen, weil ich idiot vans getragen habe, statt meine hochwertigen wanderschuhe zu nehmen und zu anderem, weil ich sehr verkrampft war und mein rucksack mittlerweile nicht nur nacken und rücken, sondern auch kopfschmerzen bereitete.
ich kämpfte mich im dunklen durch die wildesten gebüsche und abhänge, bis ich nach einem 3 m arschrutsch endlich am ufer gesessen hatte, unterhalb der brücke.
visuell war ich dort perfekt aufgehoben, das wasserrauschen, die vielen lichter, die schiffe die vorbeifuhren und den netten klang der wellen verursachten, doch es war wirklich kalt und meine hände halb erfrorren, während ich versucht habe die flasche wein zu öffnen, was ich zitternd irgenwie, nach langen minuten doch noch geschafft habe.
mit den gedanken in einer fernen welt, habe ich drei starke schmerztabletten geschluckt, von der sorte, von denen man nur eine am tag nehmen soll und trank ordentlich aus der weinflasche.
es passierte nichts.
in meinem rucksack hatte ich noch eine flasche veltins, die ich umgehend auf ex trank.
nichts.
ich nahm mein portemonnai und schmiss die kreditkarte ins linke gebüsch und meine krankenkassenkarte ins rechte, so!
daraufhin trank ich den rest des weines und rauchte die einzige zigarette, die ich bei mir hatte, die nicht halbwegs das brachte, was ich mir erhoffte, denn ich war halb erfrorren, merkte von dem wein und den tabletten nichts und die zigarette ist mehr vom wind geraucht worden als von mir.
aber ich gebe nicht gleich auf, also packte ich meinen fertigen körper und schleppte mich zur brücke, wo ich mich in der mitte derer auf eine art stuffe auf dem geländer stellte und vor der initiative stand zu springen.
ich kann nicht schwimmen, ging also davon aus, daß es mein sicherer untergang wäre, zu dem habe ich mir einen herzinfarkt versprochen, wegen dem kalten wasser.
doch meine gedanken in dem moment waren alles andere als todessehnsüchtig:
"ich habe mich seit heute morgen nicht mehr gekämmt, meine frisur muss völlig scheiße aussehen"
und
"da rein? das ist doch viel zu kalt!"
so verliess ich die brücke sofort, während der wind wunden in mein gesicht zu blasen schien und ich mir eine mobile zentralheizung gewünscht habe.
irgendwo in den auen habe ich mich hingesetzt und versucht zur ruhe zu kommen, mir war kalt, ich war hungrig und kaputt.
die jogger, die vorbei liefen müßen mich für einen perversen gehalten haben, denn was soll man sonst von einem mann halten, der in der dunkelheit, mit einem mantel bekleidet, auf einer kinderschaukel sitzt.
ich zog weiter, sinnlos, zwischen diversen architektur meisterwerken umher, bis ich beschloss nach hause zu gehen.
nach ca. 18 km voller schmerzen mußte ich einen stop einlegen und nahm platz auf einer bank, an einer bushaltestelle.
meine füße wollten und konnten nicht mehr und mein kreislauf rebelierte.
ich stand also auf und streckte den daumen aus zum trempen, zum ersten mal seit 14 jahren, versprach mir allerdings nicht viel davon, da ich selbst in den letzten 14 jahren kaum einen tramper gesehen habe und kaum jemanden kenne, der einen mitgenommen hätte.
doch entgegen meiner erwartung, hielt gleich das erste fahrzeug an, welches mitsammt fahrer ganau dorthin wollte, wo ich wohne.
zu hause habe ich meinen, vor schmerzen schreinden, körper von klamotten befreit und betrachtete, mit einer art belustigung, die blutigen blasen an meinen füßen.
danach zog ich frische, warme sachen an, aß ein käse sandwich, öffnete eine gute flasche wein, steckte mir eine zigarette an, legte meine füße hoch und dachte nach.
selbstmord-selbst-test nicht bestanden.
jemand, der soviel gejammer wegen blasen an den füßen veranstalltet und so sehr unter kälte leidet, ist kaum dazu in der lage sich selbst ernsthaft weh zu tun.
ganz abgesehen davon, daß ich nie lebensmüde, oder depressiv war und auch eine art abscheu selbstmördern gegenüber empfinde, ich mußte nur raus aus dem hier und jetzt und aus dem stress der letzten wochen, was ich mit dieser schwachsinn-nummer definitiv geschafft habe.
es war an der zeit meinen geschundenen körper ins warme bett zur ruhe zu bewegen, doch davor habe ich noch einen zettel auf den kühlschrank geklebt mit dem vermerk "wichtig!"
auf ihm stand "kreditkarte sperren lassen + verlust der karnkenkassenkarte melden"
ich hatte ein ziel vor den augen, über den weg dorthin war ich mir aber noch nicht ganz im klaren.
als erstes begab ich mich in den nahe gelegenen "meinen"wald in dem ich eine, landkartentechnisch gesehen, zick-zack wanderung vornahm, die mir einen weg von ca. 12 km bescherrt hat, für eine luftlinie von ca. 7.
kurz bevor ich den wald verließ, entdeckte ich eine grillhütte, die ich zuvor noch nie gesehen hatte.
und das in meinem wald!
dort habe ich kurz pausiert und mit dem messer meinen namen und das datum eingeritzt, um sie damit für die zukunft in eine pilgerstätte für fans und bewunderer zu verwandeln.
leider konnte ich mein geschnitzel an dem balken selbst kaum lesen.
raus aus dem wald, in einen vorort gewandert, quer durch straßen, die ich seit eh und je kenne, setzte ich meine wanderung fort und mußte mich sehr wundern, daß viele ecken zu fuß, sehr anders aussehen, als beim vorbeifahren.
hässliche kinder, hässliche häuser und an jeder ecke eine sparkasse; der traum eines jeden spiesser.
ich hatte mittlerweile ca. 20 km hinter mir und war an einem punkt, an dem ich keine pause mehr machen konnte, denn das geht in einer stadt nicht wirklich.
vorbei an grässlichen gegenden, schönen villen, netten vierteln und vielen menschen und erinnerungen, zog ich immer weiter richtung osten, obwohl ich schon ein wenig das gefühl hatte, daß meine kräfte nachlassen.
endlich in den auen angekommen, habe ich mich auf eine parkbank gesetzt um ein toast mit gouda mit mineralwasser einzunehmen, was man sich vielleicht leckerer vorstellen kann, als es war, denn es war november und ca. 2° C, das toast sehr kalt und wasser dazu sehr unpassend.
der wind war sehr stark und kalt, ich setzte meine wanderung also nach nur 4 bissen fort.
ich erreichte in der dunkelheit, temporär, mein ziel: die brücke über dem großen, tiefen fluß und habe mich sehr an den lichtern in den bergen und der umgebung erfreut, ging aber unermüdet weiter, denn ich war noch sehr weit von meinem kopfziel entfernt, trotz zurückliegender 33 km.
über die brücke, durch den park, vorbei an meiner alten wohnung, geradeaus, ca. 2 km zum getränkemarkt, wo ich eine flasche wein kaufte.
liot weißwein 02.
von da aus habe ich mich auf den weg zurück zur brücke gemacht und es wurde mir zum ersten mal richtig klar, daß ich starke schmerzen hatte.
zu einem in den füßen, weil ich idiot vans getragen habe, statt meine hochwertigen wanderschuhe zu nehmen und zu anderem, weil ich sehr verkrampft war und mein rucksack mittlerweile nicht nur nacken und rücken, sondern auch kopfschmerzen bereitete.
ich kämpfte mich im dunklen durch die wildesten gebüsche und abhänge, bis ich nach einem 3 m arschrutsch endlich am ufer gesessen hatte, unterhalb der brücke.
visuell war ich dort perfekt aufgehoben, das wasserrauschen, die vielen lichter, die schiffe die vorbeifuhren und den netten klang der wellen verursachten, doch es war wirklich kalt und meine hände halb erfrorren, während ich versucht habe die flasche wein zu öffnen, was ich zitternd irgenwie, nach langen minuten doch noch geschafft habe.
mit den gedanken in einer fernen welt, habe ich drei starke schmerztabletten geschluckt, von der sorte, von denen man nur eine am tag nehmen soll und trank ordentlich aus der weinflasche.
es passierte nichts.
in meinem rucksack hatte ich noch eine flasche veltins, die ich umgehend auf ex trank.
nichts.
ich nahm mein portemonnai und schmiss die kreditkarte ins linke gebüsch und meine krankenkassenkarte ins rechte, so!
daraufhin trank ich den rest des weines und rauchte die einzige zigarette, die ich bei mir hatte, die nicht halbwegs das brachte, was ich mir erhoffte, denn ich war halb erfrorren, merkte von dem wein und den tabletten nichts und die zigarette ist mehr vom wind geraucht worden als von mir.
aber ich gebe nicht gleich auf, also packte ich meinen fertigen körper und schleppte mich zur brücke, wo ich mich in der mitte derer auf eine art stuffe auf dem geländer stellte und vor der initiative stand zu springen.
ich kann nicht schwimmen, ging also davon aus, daß es mein sicherer untergang wäre, zu dem habe ich mir einen herzinfarkt versprochen, wegen dem kalten wasser.
doch meine gedanken in dem moment waren alles andere als todessehnsüchtig:
"ich habe mich seit heute morgen nicht mehr gekämmt, meine frisur muss völlig scheiße aussehen"
und
"da rein? das ist doch viel zu kalt!"
so verliess ich die brücke sofort, während der wind wunden in mein gesicht zu blasen schien und ich mir eine mobile zentralheizung gewünscht habe.
irgendwo in den auen habe ich mich hingesetzt und versucht zur ruhe zu kommen, mir war kalt, ich war hungrig und kaputt.
die jogger, die vorbei liefen müßen mich für einen perversen gehalten haben, denn was soll man sonst von einem mann halten, der in der dunkelheit, mit einem mantel bekleidet, auf einer kinderschaukel sitzt.
ich zog weiter, sinnlos, zwischen diversen architektur meisterwerken umher, bis ich beschloss nach hause zu gehen.
nach ca. 18 km voller schmerzen mußte ich einen stop einlegen und nahm platz auf einer bank, an einer bushaltestelle.
meine füße wollten und konnten nicht mehr und mein kreislauf rebelierte.
ich stand also auf und streckte den daumen aus zum trempen, zum ersten mal seit 14 jahren, versprach mir allerdings nicht viel davon, da ich selbst in den letzten 14 jahren kaum einen tramper gesehen habe und kaum jemanden kenne, der einen mitgenommen hätte.
doch entgegen meiner erwartung, hielt gleich das erste fahrzeug an, welches mitsammt fahrer ganau dorthin wollte, wo ich wohne.
zu hause habe ich meinen, vor schmerzen schreinden, körper von klamotten befreit und betrachtete, mit einer art belustigung, die blutigen blasen an meinen füßen.
danach zog ich frische, warme sachen an, aß ein käse sandwich, öffnete eine gute flasche wein, steckte mir eine zigarette an, legte meine füße hoch und dachte nach.
selbstmord-selbst-test nicht bestanden.
jemand, der soviel gejammer wegen blasen an den füßen veranstalltet und so sehr unter kälte leidet, ist kaum dazu in der lage sich selbst ernsthaft weh zu tun.
ganz abgesehen davon, daß ich nie lebensmüde, oder depressiv war und auch eine art abscheu selbstmördern gegenüber empfinde, ich mußte nur raus aus dem hier und jetzt und aus dem stress der letzten wochen, was ich mit dieser schwachsinn-nummer definitiv geschafft habe.
es war an der zeit meinen geschundenen körper ins warme bett zur ruhe zu bewegen, doch davor habe ich noch einen zettel auf den kühlschrank geklebt mit dem vermerk "wichtig!"
auf ihm stand "kreditkarte sperren lassen + verlust der karnkenkassenkarte melden"

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